Startseite
    Zeitgeschichtliches/Politisches
    Tiergeschichtliches
    Geistesgeschichtliches
    Urgeschichtliches
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Links
  Sonnwendhof


http://myblog.de/randglossen

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Tierische Beziehungskisten

Wir Menschen stellen uns tierische Erotik ganz simpel vor: das Weibchen kommt in die Brunst, das Männchen deckt, dann folgt die Trächtigkeit. Weit gefehlt! Im Tierleben kommt es zu den gleichen Irrungen und Wirrungen wie im Menschenleben auch.

Es fing alles damit an, daß ich 2 Entenküken erwarb, die Händlerin versprach mir, es wäre ein Pärchen. Das stellte sich in der Pubertät dann aber anders heraus, es wuchsen da zwei Erpel heran und wie viele Pubertierende begannen sie miteinander zu vögeln, oder besser gesagt, menscheln. Das muß nicht sehr befriedigend gewesen sein, denn bald ersahen sich beide dieselbe Henne als Objekt ihrer Begierde aus. Alle anderen waren uninteressant, aber diese braune, langweilige Hybridhenne mußte es sein. Kaum kam sie aus dem Häuschen, waren die Erpel aus dem Häuschen und verfolgten das Hennentier, was ihnen gelang und bestiegen es zu zweit gleichzeitig. Wie die Bremer Stadtmusikanten standen sie auf der armen Henne, die erbärmlich schrie. Nun, es dauerte nicht lange, da ließ ich die beiden Erpel schlachten, damit die Henne wieder ihre Ruhe und ihren Gockel hatte.

Als ich dann damit begann, aus der kleinen Selbstversorgerwirtschaft einen bäuerlichen Betrieb an anderem Ort zu entwickeln, kamen viele neue Tiere und Erlebnisse hinzu. Als erstes kam ein Kuhkalb zu uns. Es fühlte sich sehr einsam und entdeckte, daß ihr am ähnlichsten wohl noch der ebenfalls hellbraune Hund, ein großer Briard sei. So wurde dieser Hund die erste große Liebe des Kuhfräuleins, dieser jedoch nahm aus Angst vor ihren Zudringlichkeiten sofort Reissaus. Der Kuh konnte geholfen werden, zuerst bekam sie eine ältere, lebenserfahrene Gefährtin, später durfte sie zu einem richtigen Deckbullen reisen.

Als Zweites zog ein kleines Wollschweineberferkel ein. Es sollte in Zukunft mit Schwäbisch Hällischen Schweinen verpaart werden, doch diese kann man nur im jugendlichen Alter kaufen, weil vorher die Zuchttiere nicht aus den Masttieren ausselektiert werden. Notgedrungen bekam dieser kleine Schuljunge nun ein junges Schweinefräulein von mindestens 5-facher Größe in die Box gestellt, nun ja, zum Kuscheln war das erst mal gut. Aber auch kleine Schuljungen werden reifer, wenn auch in diesem Fall nicht sehr viel größer. Irgendwann reagieren sie auf das weibliche Flirtverhalten, aber wie um Himmelswillen sollte dieser kleine Eber auf das große Schwein kommen? Er hat es von allen Seiten probiert, den Eingang aber nicht gefunden. Als ich ihm ein Podest rein stellte, benützte dieses die Sau und war damit noch höher. Beide Tiere wurden nicht sehr alt. Die Sau durfte dann mal zu einem großen Eber reisen, den sie sofort sehr begehrte, aber in der Aufregung brach sie sich ein Bein an. Sie wurde dann, nachdem das Bein geheilt war, einmal von mir erfolgreich künstlich besamt, hat dann aber bei großer Hitze und Lärm zu früh geferkelt, von den Ferkeln sind nur 2 durchgekommen: Angela Ferkel und Ulla Schmatz. Daraufhin hat meine Ursau Piggy beschlossen, die Sache mit dem Sex ad acta zu legen und mußte deshalb irgendwann zum Metzger fahren, auch ihre Töchter haben nur einmal Kinder bekommen, dann brach sich ein Schwein die Hüfte, das andere magerte bei einem anderen Bauern zu sehr ab.

Dem Eber ging es, wie gesagt, nicht viel besser: er durfte auch einmal im Leben ein kleines, frühreifes Mädchen decken, wurde daraufhin aber extrem Macho. Er biß um sich, ohne zu wissen, daß man die Bäuerin nicht ungestraft beißen darf.

Piggies Tochter Ulla Schmatz war auch von besonderer Sorte. Sie war 3 Monate zu Besuch bei einem Freilandeber, wurde von diesem aber nicht trächtig, weil der Eber eine Rotte hatte, die eifersüchtig über ihn wachte. In der Sylvesternacht, kam sozusagen als Glücksschwein ein süßer Jungeber bei uns an, der ziemlich bald sich sehr bemühte, zu der rauschigen Sau zu kommen. Anfang ging alles gut, ich ging zu Bett. In der Nacht wurde ich von einem Schrei geweckt. Das Schwein hatte den jungen Eber über und über blutig gebissen, er lag im Schock. Diesen konnte ich zwar noch behandeln, aber er hatte auch ein Bein gebrochen, und mußte, da Feiertag war, eingeschläfert werden. Als nächstes kam ein mächtiger Alteber in den Stall und siehe da, Ulla war das zärtlichste, anhänglichste Schwein, das man sich denken kann, wurde von dem Eber trächtig und wich nicht von seiner Seite.

In die sagenhafte Ursau Piggy hatte sich aber auch der Hund verliebt. Alle Holzplanken sind an der Oberkante aufgebissen, weil er unbedingt zu ihr wollte. Als es ihm einmal gelang, in die offene Boxentür zu witschen und auf die Sau zu springen, holte diese mit ihrem Schädel einmal gewaltig aus und Amigo flog ins Freie. So rabiat hatte sich der Schweinehund die Liebe nicht vorgestellt!

Der mächtige Alteber lebt immer noch bei uns und ist ein gutmütiger Papa, der sich um seine Kinder sorgt. Wenn er im Winter alleine in einer Box ist, entwickelt er fetischistische Fantasien und deckt dann auch schon mal die gewölbte Mistschaufel. Aus dieser Kreuzung hat sich leider noch kein Mini-Frontlader entwickelt.

Bei den Heidschnucken gab es inzwischen einen Bock mit ganz tollem Gehörn, ein richtiges Prachtexemplar, zum Schlachten zu schade. Was, wenn ich diesem Bock meine Milchschafherde geben würde? Leider benahm sich dieser Bock wie ein Mantafahrer, die Schafe mochten ihn nicht. Einem stolzen Schaf gelang es, in 2 Jahren von ihm nicht trächtig zu werden. 2 Jungschäflein konnte ich im letzten Moment vor seinen sadistischen Angriffen in Sicherheit bringen, sie lagen schon auf dem Rücken und bluteten aus der Nase. Und Sados fahren dann halt auch sehr schnell zum Metzger. Die Schafe bekamen nun einen hornlosen, äußerst romantischen Juraschafbock zum Mann und umwarben diesen wie einen Hahn im Korb. Sobald alle trächtig waren, beschäftigte sich der Bock in seiner Langeweile mit sich selbst. Wie, das geht nicht ohne Hände? Doch, er braucht nur mit dem Bauch auf dem Boden zu wetzen und Stiere können das aus dem Stegreif. Manchmal sind aber auch die Kühe behilflich, sie sehen ein, daß der geliebte Stier nicht 11 Monate lang darben kann und lecken ihn, manchmal zu zweit, gleichzeitig.

Da der Fuchs Geflügel nun mal zum Fressen gern hat, kam es, daß irgendwann eine schöne junge Pute verwitwet mit den Hühnern laufen mußte und sich ein Gockel sehr um diese vermeintliche Prachthenne bemühte. Die Pute jedoch ergriff sich den Gockel mit dem Schnabel im Genick und wirbelte ihn mehrfach im Kreis herum. Man sollte sich eben nicht an Amazonen versuchen! Vor Kurzem habe ich einen überzähligen zweijährigen Gockel hergeschenkt, an eine Frau, die 4 Hennenjungfrauen hält. Der arme Kerl wurde aus der Herde ausgeschlossen, durfte nicht auf die Schlafstange aufsitzen, nicht gleichzeitig fressen. Nachdem er eine Woche lang verzweifelt die 4 Hennen umworben hatte, sie immer wieder vergeblich zum Futter gelockt, vor dem Raubvogel gewarnt, haben sie ihn endlich akzeptiert.

Eines Morgens entdeckte ich an meine Hauswand gekauert ein kleines Wildentchen mit gebrochenem Flügel. Als ich mich näherte, kam mir mein Hauserpel entgegen und wieder wenige Sekunden später kam mit  wütendem Geschnatter meine Entin angewetzt, griff sich ihren Mann und trieb ihn vor sich her heim ins Nest. Am nächsten Morgen war der Erpel mit der Wildente verschwunden.

Da Amigo kein Glück mit Schweinen hatte, half er mir, ein Lämmchen aufzuziehen. Während ich die Flasche gab, leckte er den Hintern des Lämmchens, dieses versuchte sich am Hundefutter, woraufhin Amigo Mehl fraß. Aber das jugendliche Schäfchen hat dann den Hund doch wieder verschmäht.

Anders eine Ziege. Sie hatte nur einen Schafbock zur Verfügung und nun ist sie offensichtlich trächtig, entwickelt ein Euter mit Milch und einen runden Bauch und ich bin ganz gespannt auf die Geburt der kleinen Schiegen.

Meine arme, sterile Eier legende Schildkröte hatte auch kein Glück mit Männern. Einer biß ihr mal ein Loch in die Schulter. Schildkrötenmännchen sind Obersados.

Meine beiden roten Kater haben beide ihre erste große Liebe mit dem Leben bezahlt, weil sie blindlings in Autos gerannt sind.

Fortsetzung folgt, das Leben wird sie schreiben.

1.6.07 12:07
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung